Mittwoch, 10. August 2011

Schwein gehabt

Nein, mein Blog ist nicht tot - das ist der Beweis. Da ich mich allerdings das vergangene halbe Jahr ganztägig mit Texten befasst habe, als Redakteurin auf Zeit bei der weltberühmten Esslinger Zeitung, hat dieses freizeitliche Schreiben halt etwas gelitten. Sorry.


Diese Fotos zeigen südamerikanische Glücksschweine, von denen ich auf meiner bisher letzten großen Reise (könnt' mal wieder was nachkommen;-) mehrere Nester entdeckt habe. Im Gegensatz zum deutschen Glück, das oft eher scheu daher kommt und so begehrt wie selten ist, nimmt der Artverwandte aus den Anden - wie man im Bild oben sieht - Kontakt auf zum glücklichen Gegenüber.


 ... gerne aber auch zu seinesgleichen, nach dem Motto "wer hat, dem wird gegeben", und wer schon glücklich ist, der zieht das Glück erst richtig an.


Wo das Glück regiert, geht's drunter und drüber.


Sag ich doch;-)


Vielleicht doch besser wieder an die Leine nehmen...

In diesem Sinne, also so tiefgängig wie sinnfrei wünsche ich allen Lesern/Usern/virtuellen und realen Menschen VIEL GLÜCK!

Mittwoch, 13. April 2011

Michel Houellebecq in Stuttgart

In Stuttgart gab es letztens ein literarisches Event der besonderen Art: Michel Houellebecq, der in Deutschland außer in Benztown nur noch in Berlin Station machte, beehrte seine Zuhörer/Leser mit unglaublich schlechter Laune - und einer Lesung.
Den folgenden Text + Foto habe ich in der Esslinger Zeitung am 9. April 2011 veröffentlicht:

Michel Houellebecq beäugt sein Publikum in Stuttgart. Foto: Christine Wawra

"Ich bin eine Karte"
Der französische Starautor Michel Houellebecq liest im Stuttgarter Mozartsaal aus seinem neuen Roman "Karte und Gebiet"
Von Christine Wawra
Wieviel Koketterie braucht ein Schriftsteller seinem Publikum gegenüber? Sollte er es in einer Lesung gewinnend anlächeln, verbindlich anschauen, als Verbündeten behandeln, dankbar für das ihn nährende Leserinteresse? Michel Houellebecq scheint von alledem nichts zu halten, spielt zumindest mit einer unnahbaren Fassade. Als der Pariser Literaturwissenschaftler und Moderator des Abends, Jürgen Ritte, den französischen Starautor im Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle vorstellte, huschte kein Lächeln über dessen Gesicht. Der jüngst mit dem höchsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, Ausgezeichnete schien unbeteiligt, ja abwesend, und wenn er nicht rauchte, nagte er gerne an seinen Fingernägeln herum. Währenddessen lief die Maschinerie des Literaturbetriebs wie in einem parallelen Universum neben ihm ab. Ritte sprach von Houel­lebecqs Erfolg, wobei der Autor in Deutschland „vielleicht noch bekannter als in Frankreich“ sei. Er schreibe nicht nur Romane, sondern sei auch längst zur Romanfigur geworden, etwa in Werken von Bodo Kirchhoff oder Iris Hanika. Eine 850 Seiten mächtige Doktorarbeit, die Ritte ins Publikum zeigte, behandle lediglich die Rezeption des Erfolgsautors in deutschsprachigen Ländern zwischen 1999 und 2005.
Doch der, über den da geredet wurde, taute nicht wirklich auf. Rittes erste Frage, ob der Erfolg in Deutschland sein Bild über das Nachbarland verändert habe, beantwortete er mit einem längeren Räuspern und einem schlichten "nein". In der Doktorarbeit stünde das ja drin. Ob darin Passagen seien, die ihn amüsiert haben, wollte der Moderator wissen. "Oui". Übersetzer Jürgen Stähle schaltete sich ein: "'Oui' heißt 'ja', aber das wussten Sie schon." Lachen im Saal. Das Publikum wollte unterhalten sein und verzieh seinem Starautor das Divenverhalten offenbar mit Humor.

Vielleicht ist ja der Autor auch ein wenig wie sein Werk, ist der Mensch Houellebecq ebenso wenig greifbar wie ein eindeutiger Sinn seiner Kunst. „Karte und Gebiet“ ist ein Künstlerroman, in der Wirklichkeit und Fiktion in brillanter Sprache fließend ineinander übergehen. „La carte n’est pas le territoire“ heißt es in einer französischen Redewendung: Die (Land-)Karte ist nicht das Gebiet“. Neben dem Protagonisten Jed, einem Maler und Fotografen, tritt Michel Houellebecq selber als Romanfigur auf - und lässt sich grausam ermorden, zerstückeln. Trotz seines kunsttheoretischen und philosophischen Gehalts ist das Buch auch ein spannender Krimi. Die Handlung spielt in naher Zukunft, wenn sich offenbar die Kernfragen einer Me diengesellschaft nach dem Verhältnis von Kunst und Realität - was ist Inszenierung, was ist wahr, wo verläuft die Grenze? - noch zuspitzen.
Er wolle seine Leser „hypnotisieren“, so der Autor, „dass sie nicht wissen, wo’s langgeht“. Das ist ihm nicht nur schreibend gelungen, sondern gelang ihm auch beim Lesen. Mit seiner großen, schwarzumrandeten Brille trug er in tranceartiger Monotonie eine Passage vor, in der sich Steve Jobbs und Bill Gates begegnen. Houellebecqs Stimme hatte etwas Zerbrechliches und offenbarte überraschend eine Zartheit, die ja auch dem sprachlichen Feinsinn seiner Texte innewohnt. Wer so empfänglich ist für die Welt, wer diese derart bildmächtig in sein Schreiben einlässt und sich in einem „Roman des Verschwindens“, wie Ritte „Karte und Gebiet“ nannte, buchstäblich auflöst, der muss sich vielleicht vor derselben Welt auch immer wieder schützen, ja sie abwehren.
Felix Klare, bekannt als Stuttgarter „Tatort“-Kommissar, las aus der deutschen Übersetzung von Uli Wittmann. Als geübter Sprecher ließ er die Figuren und ihre Gedanken lebendig werden und im Lesen körperliche Präsenz spüren: geradezu das Gegenmodell zum Vortrag des Autors selbst, der während Klares Sprechen Wort für Wort in der französischen Ausgabe mitverfolgte.
Bei den nachfolgenden Fragen, die Ritte an Houellebecq stellte, war der Autor dann etwas gesprächiger als am Anfang. Nette Anekdoten konnte man freilich nicht erwarten, sondern er bewegte sich gewissermaßen innerhalb der Hermetik seines Romans. „Ich fühle mich so sehr als Rea list, wie eine Karte realistisch ist. Eigentlich bin ich eine Karte“, sagte er. Das grausame Gemetzel, den Mord an seinem alter ego im Roman, verteidigte er als „schönes und clowneskes Bild für den Leser“. Es habe auch etwas zu tun mit dem Bild, das man sich von ihm mache. „Ich finde es jedenfalls lustig“, sagte Houellebecq. Wie ein Gnom lächelte er dabei, und seine Augen blitzten auf.
Von links nach rechts: Übersetzter Jürgen Stähle, Michel Houellebecq,
Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte,  Sprecher Felix Klare  Foto: Christine Wawra


Übrigens: Warum dieses Programm manchmal Absätze im Text nach meinen Eingaben macht und manchmal nicht - das weiß der Geier! ;-)

Montag, 27. Dezember 2010

Doch kein verschneiter Winterwald


Ist das nicht eine märchenhafte Winterlandschaft mit verschneitem Wald?
Könnte man auf den ersten Blick meinen. Auf den zweiten aber gibt es doch ein paar irritierende Kleinigkeiten wie zum Beispiel das üppige Blattwerk an den Sträuchern oder dass die Wiese doch aussieht wie eine Wiese und nicht wie ein Schneefeld.
Die Lösung lautet, dass es sich um gar keine verschneite Winterlandschaft handelt. Sondern um ein Infrarot-Foto. Aus dem neuen Buch "Digitale Infrarotfotografie" von Klaus Mangold. Direktlink zu Amazon 

Da ich die Effekte der IR-Fotografie zwar ausgesprochen interessant finde, mich aber mit dem Thema insgesamt - technisch und optisch und überhaupt - nicht besonders gut auskenne, lasse ich nun lieber den Autor im Interview zu Wort kommen. Doch weil's so schön ist, zuvor noch ein "verschneites" Foto:
CW: Was genau ist denn nun eigentlich Infrarotfotografie?

KM: Diese Fotografie arbeitet mit Wellenlängen, die unser Auge nicht wahrnehmen kann. Dabei handelt es sich um Strahlung, die am langwelligen Ende des für uns sichtbaren Spektralbereichs anschließt.

CW: Was fasziniert Dich daran?

KM: Solche Bilder haben eine ganz charakteristische, unwirklich erscheinende Anmutung. Am bekanntesten ist dabei der so genannte Wood-Effekt (die Bilder mit "Raureif im Sommer", weil Blattgrün im Infrarot schneeweiß abgebildet wird. Das ist zwar der spektakulärste, aber bei weitem nicht der einzige überraschende Effekt, der einen bei IR erwartet. Tatsächlich ist es so, dass man auch nach einem oder zwei Jahren intensiver Beschäftigung mit Infrarotfotografie immer noch Neues entdeckt.

Die Kamera verstehe ich dabei als eine Art "Übersetzungsmaschine" für das ja eigentlich nicht Sichtbare. Spannend wird das dann, wenn man nach den ersten Misserfolgen plötzlich entdeckt, dass man sich erstaunlich gut in diese unsichtbare Welt rein finden kann. Ich denke, ein von Geburt an Blinder muss wohl was ganz Ähnliches erleben, indem er lernt sich in der Welt der Sehenden mit anderen Sinneswahrnehmungen zurecht zu finden. Ein ganz wesentlicher Schritt war für mich, dass ich nach gar nicht so langer Zeit von der reinen Landschaftsfotografie weg gekommen bin und auch ganz andere Themen für IR entdeckt habe, die im ersten Augenblick eigentlich völlig unbrauchbar erscheinen. Dazu gehört zum Besipiel die Aktfotografie.

CW: Offenbar kommt es nicht nur auf den richtigen Blick und die geeignete Technik an, sondern auch in großem Maße auf die digitale Bildbearbeitung. Mir ist aufgefallen, dass Deine Bilder zwar verfremdet wirken, aber dass Du keineswegs wilde, extrem unnatürliche Effekte kreierst. Wozu dient Dir die Bildbearbeitung?

KM: Weil ich bei Infrarotfotografie ja im nicht sichtbaren Spektralbereich arbeite, gibt es kein echt oder unecht mehr. Warum sollte ich mich also sklavisch an das halten, was mir die Kamera durch ihre Art der "Übersetzung" gerade vorsetzt? Ich finde, dafür gibt es wirklich keine Notwendigkeit. Ich finde es deshalb nur naheliegend, dass ich mit der digitalen Bildbearbeitung die Bilder in der Art ausarbeite, die ich haben möchte. Natürlich bemühe ich mich darum, eine einigermaßen durchgängige Bildsprache beizubehalten.

CW: Wie hast Du die IR-Fotografie entdeckt?

KM: Ich hab schon früher mit Film mit Infrarotfotografie experimentiert. Das konnte mich aber durch die sehr umständliche Art der Arbeit, die nicht vermeidbar war, noch nicht nachhaltig begeistern. Erst durch die Digitalfotografie gab es einen qualitativen Sprung: Sofort nach dem Druck auf den Auslöser ist das Ergebnis zu sehen - bei Kameras neuerer Generation (LiveView) sogar schon davor. Der früher sehr hohe Anteil an Ausschuss ist jetzt Vergangenheit. Richtig begeisternd finde ich aber erst technisch modifizierte Kameras, mit denen auch im IR ganz normal kurze Belichtungszeiten kein Problem mehr sind. Damit öffnet sich die Welt bewegter Objekte auch für die Infrarotfotografie.


Und wenn Herr Mangold gerade nicht fotografiert oder Bücher schreibt, betätigt er sich beispielsweise in der Grillvorbereitung wie auf dem nachfolgenden Foto, garantiert kein Infrarot-Bild;-)

Montag, 6. Dezember 2010

Buchvorstellung "Brezeltango"

Warum nicht mal ein Buch vorstellen, das zu lesen mir in letzter Zeit Spaß gemacht hat. Die Rezension von mir ist so am 4. Dezember in der Esslinger Zeitung erschienen.

Dirndl statt Kittelschürze
Elisabeth Kabateks schwäbisch-ironische Beziehungsstory "Brezeltango"

Schon in ihrem zweiten Buch-Auftritt zeigt sich Elisabeth Kabateks Heldin Pipeline Praetorius als absolut serienverdächtig: Mit „Brezeltango“, der Fortsetzung des Bestsellers „Laugenweckle zum Frühstück“, hat die Stuttgarter Autorin ein Lesevergnügen geschaffen, das ihrem Erstling an Leichtigkeit, Situationskomik und Sprachwitz in Nichts nachsteht.
Zwar ist es ein Roman mit viel Lokalkolorit, und zu den mundartlichen Passagen gibt es (in Maßen) Übersetzungshilfen für Nicht-Schwaben. Doch gewinnt die Geschichte ihren Charme nicht zuletzt aus der liebevollen Distanz der Ich-Erzählerin Pipeline, genannt Line zu allzu viel Schwabentum. Sie stammt wie ihre Erfinderin aus einem „kleinen, unbesiegbaren Dorf in der Nähe von Stuttgart, das sich erfolgreich gegen die Eingemeindung durch die Metropole gewehrt hatte“. Den Kartoffelsalat in die Maultaschen-Brühe zu klatschen, erregt so bei Line ebenso viel Schaudern wie die über die Kehrwoche ausgeübte Sozialkontrolle.

Inzwischen sind Line, deren „Katastrophen-Gen“ für ihr chaotisches Leben verantwortlich ist, und der Bosch-Ingenieur Leon aus Hamburg ein Paar. Und belegen auf 333 Buchseiten, dass sich Gegensätze anziehen, dass das Leben so dramatisch ist wie ein Tango und die Wege des Glücks manchmal so verschlungen sind wie eine Brezel.
Line, die noch-arbeitslose Werbe-Texterin, braucht intellektuelles Futter und fühlt sich als Vertreterin der Kreativbranche zur Stuttgarter Künstlerszene hingezogen. Leon ist mehr der solide Typ, der sich auf dem Grillabend im Reihenhaus des Kollegen wohlfühlt. Ihn würde es ja schon glücklich machen, wenn Line ihn im Dirndl zum Cannstatter Wasen begleitet. Die lehnt derartigen Kostümzauber ab, womit die Katastrophe ihren Lauf nimmt. So bekommt Rivalin Yvette, Leons mit allen weiblichen Primärreizen ausgestattete Kollegin ihre Chance. Nur Herr Tellerle und Frau Müller-Thurgau können das scheinbar bevorstehende Ende noch wenden und sind damit für ihre kleinen Gemeinheiten im Treppenhaus rehabilitiert.

Kabateks Humor schlägt viele Kapriolen. Dass er nicht selten slapstick-mäßig mit der Schreiberin durchgeht, sorgt für surreale Einlagen. Die tragen paradoxerweise zur Glaubwürdigkeit bei. Schließlich ist das Leben selbst oft sprunghaft.
Doch ebenso wichtig ist die sorgfältige Beobachtung, auf der der Text basiert: Dazu gehört der Zeitgeist in Benztown ebenso wie die Unterschiede zwischen Beziehungserwartung und -wirklichkeit. Letztere funktioniert ja oft mehr nach Currywurst- als nach Candle-Light-Dinner-Prinzip. Protagonistin Line steht für eine Überwindung dieser Gegensätze.
Auch diejenigen Menschen im Buch, die anfangs jedem Klischee zu entsprechen scheinen, sind nicht glatt: So entpuppt sich der Porsche fahrende Zahnarzt Harald als patenter Mensch und doch als richtiger Freund für Lines weltverbessernde Freundin Lila. Wie jede Komödie im echten Sinne dringt der „Brezeltango“ in seelische Tiefen vor – mit scheinbar leichter Hand.                               
Christine Wawra

Elisabeth Kabatek: Brezeltango. Silberburg-Verlag, Tübingen. 12,90 €
Direktlink zu AMAZON


Mittwoch, 17. November 2010

Auf Paparazzi-Spuren in Madrid

Ich lese ja nicht die einschlägigen Zeitschriften, in denen die Stars und Sternchen glitzern und man sich quasi via Paparazzi-Fotos ein Stück vom VIP-Himmel abschneiden kann...
So kam es auch, dass ich völlig naiv auf eine Pressereise nach Madrid mitging - für die Esslinger Zeitung, und auf Einladung des Spanischen Fremdenverkehrsamtes Turespana, in Zusammenarbeit mit Turismo Madrid und dem Museum Thyssen-Bornemisza. Anlass war die aktuelle Ausstellung ebenda "Impressionistische Gärten".
Nicht kannte ich also "Baronesa Carmen Thyssen-Bornemisza", von den Spaniern liebevoll "Tita" genannt. Es handelt sich um die in Wirklichkeit sehr blonde Frau auf dem folgendem Foto. 


Wie wahrscheinlich jeder außer mir weiß, ist La Baronesa die Witwe des deutschen Industriellen Heinrich Thyssen, dessen riesige Kunstsammlung im gleichnamigen Museum inzwischen der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die ehemalige mehrfache Schönheitskönigin gehört also dem schwersten Geldadel an und spukt durch die Gazetten, weil sie sich nicht nur mit den anderen Erben, sondern auch - ihrer eigenen Kunstsammlung wegen - mit dem spanischen Staat um größere Summen streitet. Oder weil sie ihre Schwiegertochter nicht akzeptiert oder weil sie mit 62 Jahren Zwillinge von einer amerikanischen Leihmutter austragen lässt oder so. 
Jedenfalls gehört sie zu den Frauen, die mit fortschreitendem Alter immer jünger aussehen weil ihnen tüchtige Ärzte ein ewiges Lächeln ins Gesicht zaubern, das keinen Platz für wechselnde Gemütsstimmungen mehr lässt. Davon konnte ich mich mit eigenen Augen überzeugen! Bestimmt ist auch der restliche Körper nach dem Bilde einer antiken Göttin durchgestaltet...

Die Pressekonferenz und anschließende Führung durch die Ausstellung war dank der Anwesenheit jener Dame aus der hohen Gesellschaft eine recht skurrile Veranstaltung. Selten war bei einem derartigen Anlass der Informationsgehalt so niedrig! War doch in den Unterlagen unserer internationalen Journalistengruppe folgender Programmpunkt eingetragen: "Visit the exhibition Impressionist Gardens at the Thyssen Museum, with ... the Artistic Director of the Museum, Mr. Guillermo Solana". 
Nun, er hätte also UNS durch die heiligen Hallen führen sollen. Was ist stattdessen passiert?

Die Führung (die etwa neun bis dreizehn Minuten dauerte) galt ausschließlich IHR. Umzingelt von Reportern und im Blitzlichtgewitter erklärte Herr Museumsdirektor - mit gedämpfter Stimme und nur für sie verständlich - der gnädigen Frau, was sie auf den Gemälden, die zum Großteil ihre eigenen waren, zu sehen hatte. Kein Wort zu den anwesenden Journalisten. Schade, hätte man dafür nicht eine andere Viertelstunde finden können als ausgerechnet während der Pressekonferenz?


Aber genug davon, ich will schließlich nicht zur Klatschreporterin mutieren... Die Ausstellungeröffnung am Abend war übrigens auch ein wenig seltsam. Sie lief ganz ohne Reden ab, dafür mit vielen Pelzmänteln und immer mal wieder aufflackerndem Blitzlichtgewitter. Hierzulande undenkbar, dass keiner durch ein Mikrofon spricht. Dafür sind auch die Getränke oft nicht kostenlos, weil schließlich soll man sich ja intellektuell vergnügen und nicht bedüdeln. 
Eine Weile habe ich die aktuelle Mode studiert, dann wurde mir das aber langweilig, und ich bin mit einer amerikanischen Kollegin zwecks Nahrungsaufnahme in eine Tapas-Bar abgewandert.


Die Bar hieß "Los Gatos" und war voll dekoriert mit Stieren. Ich konnte keine einzige Katze entdecken. Ob die Namensgebung wohl ein Versehen war? Jedenfalls ist es ein sehr geselliger Ort und die Tapas mundeten ausgezeichnet.
Abschließend noch ein fotografischer Selbstversuch aus Spanien. Eigentlich sollte der Kopfputz genau in die Mitte, ist aber leicht seitlich verrutscht;-) Ich hab da passenderweise einen Apoll auf dem Gehirn sitzen, den griechischen Gott der Schönen Künste und Herr der Musen. Die sollen mich dann mal schön küssen, wenn ich meinen Artikel schreiben tu!

Donnerstag, 11. November 2010

Was haben Bär, Leopard und Äffle gemeinsam?

Sozusagen noch warm gibt's hier ein paar Fotos von den Filmtagen, die teilweise noch nicht mal auf deren Homepage zu sehen sind - obwohl manche im Büro schon seit Tagen vorliegen. Offenbar gibt es bei denen Wichtigeres als die Internetpräsenz wie geplant aktuell zu halten...


Die zwei Äffles gehören zu einer ganzen Herde, allesamt die kleinen Brüder und Schwestern des Berliner Bären, Berlinale-Logo, und des Goldenen Leoparden, der die Filmfestspiele von Locarno beschützt.
Das berühmteste schwäbische Tierpaar sind ja bekanntlich Äffle und Pferdle, die seit den 1960-er Jahren als Zeichentrickfiguren durch das Werbefernsehen des damals Süddeutschen Rundfunk genannten Senders geisterten. Die neue Corporate Identity der Französischen Filmtage basiert also auf einem echt schwäbischen Urviech, einem Affen;-)
Von wegen. Denn genau genommen ist die Abstammungslinie des neuen Tübinger Filmlogos eine ganz andere. Festivalleiter Christopher Buchholz war schon als Kind auf weltläufigem Parkett zu Hause. Als Sechsjähriger nahm ihn seine Mutter mit zur Premiere von Stanley Kubricks "2001. Odysee im Weltraum". Die Affen im Film haben den Jungen nachhaltig beeindruckt, und auf der Suche nach einem unverwechselbaren Bild für Tübingen fielen sie ihm wieder ein. Die zwei Knuddeltiere auf dem Bild sind übrigens Filmpreise - ein Gewinn im doppelten Sinne. Denn die bisherigen Preise waren so hässlich, dass zum Beispiel Ehrenpreisträgerin Agnes Varda ihren gleich mal unter dem Kinositz "vergessen" hat.


Das ist Christopher Buchholz, seit diesem Jahr Festival-Leiter. Der Hintergrund auf dem Foto ist übrigens keine Filmszene, sondern ein Moment aus dem wahren Leben.
Das lässt doch hoffen;-)


Das ist ein anderer Tübinger Promi, unser OB Boris Palmer. Ich habe ihn gewählt, damit ich nun nicht selber andauernd auf die Stuttgart 21-Demos gehen muss. Als Selbstausbeuter in der Kreativbranche hat man für so was ja keinerlei Zeit. Daher ist es wichtig die richtigen Politiker gewählt zu haben;-)


Und dieses Foto gefällt mir einfach... Es zeigt Bettina Röser, die zusammen mit Gabriele Elsässer die Stuttgart-Sektion der Filmtage organisiert. Die Eröffnungsparty im Club Schocken zeichnete sich unter anderem durch atmosphärische Farbgebung aus. Die Häppchen waren auch lecker.
Über den Small Talk kann ich nicht viel sagen, weil man als Fotograf ja wie schon erwähnt die Leute dabei ablichtet wie sie sich amüsieren, ohne selber allzuviel daran teilzuhaben. Ich habe dann meine imaginäre Tarnkappe auf, um beim Arbeiten möglichst dezent vorgehen zu können. Das ist ja soweit ok. Blöd wird's erst, wenn die andern einen auch sonst so behandeln als hätte man die Tarnkappe immer auf, mit der Aufschrift: "Nicht ansprechen, ich bin eigentlich gar nicht da, und überhaupt fühlt Euch ganz unbeobachtet." Brauche wohl kaum zu erwähnen, dass das diesmal für meinen Geschmack zu häufig passiert ist...

Mittwoch, 10. November 2010

Festivalfotografie bei den Französischen Filmtagen


Festivalfotografie fast rund um die Uhr - damit verbringe ich gerade meine Tage und teilweise Nächte bei den 26. Französischen Filmtagen in Tübingen und Stuttgart. Das größte Filmfestival des frankophonen Films außerhalb Frankreichs begleite ich zum sechsten Mal. Es gilt, Regisseure und Gäste beispielsweise in situativen Portraits abzulichten sowie Podiumsdiskussionen und Preisverleihungen zu dokumentieren. Also Eventfotografie vom feinsten, mit allen Herausforderungen, wobei die der technischen Art - wie blitze ich so dass Gesichter nicht aussehen wie Schweinchen vor schwarzem Loch - noch die geringsten sind. Eigentlich geht es um die Kunst an allen Orten gleichzeitig zu sein....

Die Fotos sind übrigens unter folgendem Link zu sehen, wobei ich für die Präsentation, Beschriftung und Auswahl keineswegs verantwortlich bin:
http://www.filmtage-tuebingen.de/fft-wordpress/?cat=49

Wie man an der Bildgalerie sieht, lege ich nicht unbedingt Wert auf das "Modell Honigkuchenpferd", also darauf dass die Menschen sich mit einem breiten Grinsen gegen das Fotografiertwerden wehren... Ich arbeite gerne mit denjenigen Situationen, die ich vorfinde und erzähle damit die Geschichte. Bei den Portraits versuche ich, von dem oftmals hässlichen Hintergrund einzelne Elemente wie Lichter kompositorisch aufzugreifen, ohne dass ein Kinofoyer oder ein anderer Ort dabei sehr stören. Interessant wäre es, die Regisseure ihrer Persönlichkeit oder ihren Filmen gemäß an ganz bestimmten Orten zu fotografieren, doch das ist ein anderes Projekt und in diesem Rahmen mit extremem Zeitdruck nicht zu leisten.

Da ich nicht wie manche Kollegen rohe JPG-Dateien wie sie aus der Kamera fallen abliefere, ist die Postproduktion echte Arbeit. Morgens bis mittags sitze ich Stunden am Rechner und öffne meine RAW-Dateien, an denen ich auf die Schnelle grundsätzliche Bearbeitungsschritte vollziehe. Dabei geht mein eigener Anspruch an Qualität durchaus auf meine Kosten, da ich paradoxerweise das Gefühl habe, von dem Filmfestival gar nicht viel mitzukriegen...
Viele mögen auch den Unterschied gar nicht sehen, und nicht selten höre ich 'oh das habe ich gar nicht gewusst dass das so viel Arbeit ist'... Klar, im Zeitalter der Digitalknipse denken ja viele das sei Fotografieren was sie da betreiben. Und von jeder Über30- und Unter20-Disco werden millionenweise Pixel ins Internet geladen. Damit muss man dann quantitativ konkurrieren, was ich irgendwie für unmöglich halte.
Einige sehen aber den Unterschied, das habe ich glücklicherweise schon rückgemeldet bekommen.
Und immerhin hat ein Filmfestival ja auch mehr oder weniger entfernt ;-) mit Fotografie zu tun, und die Festivalfotografie sollte sich meiner Ansicht nach an einem gewissen künstlerischen Anspruch messen lassen.

Foto: Karin Czuka